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Vier Jahrzehnte eines Fotohauses - es begann bei Foto Besier

Juni 2026 - Eine Meldung im Wiesbadner Stadtblättchen "KAMERA endgültig insolvent"- von Gert Redlich ------ Angefangen hatte mein Kontakt mit dem Gründer Olaf Wagner in den Jahren 1984/1985, als ich einen Anruf bekam. Ich möchte mich doch bitte beim Fotohaus BESIER bei Herrn Wagner vorstellen. Herr Wagner war der quasi Geschäftsführer und Motor des weit und breit bekanten Fotohauses FOTO BESIER in der Kirchgasse Ecke Luisenstraße gegenüber des damaligen Kaufhauses HERTIE. Er hatte vermutlich von Autoglas Reifenberger, und dort vom Chef selbst, mit dem er befreundet war, den Tip bekommen, es gäbe da ein kleines Computer Team, das auch zaubern könne. Nämlich Computer, das waren damals IBM, NIxdorf, Bull, Olivetti, DEC, HP usw, alle mit Preisen im mittleren sechstelligen DM Bereich.
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1984 - der Duchbruch der CD - es ging aufwärts

Unsere kleine Zweimann EDV Klitsche konnte dann etwas sehr spezielles programmieren und vor allem auch schnell liefern, ein erstes individuell progammiertes CD Verkaufs- und Lager-Programm, das Herrn Wagner immens geholfen hatte, die ganz neue und enorm profitable CD-Abteilung (in einem Fotohaus !!) mit einem der ersten Personal-Computer, dem CANON CX1, vor dem Caos zu bewaren.

Auf keinen Fall vergessen dürfen wir bei diesem Höhenflug den Star der CD-Abteilung "Eva", eine junge Dame mit Ausstrahlung, sehr groß, sehr gut aussehend, dazu "sehr !!" gut gebaut, blond, immer freundlich und lustig, eine ungewollte Verkaufskanone. Alleine wegen Eva kamen viele Dutzend CD Käufer zu Foto Besier - und sie kamen immer wieder. Eva genoß es sichtlich, der Star in der Manege zu sein.

Die CDs waren damals brand neu und profitabel und dazu rar und es gab immense Mengen an Vorbestellungen (von Käufern), die verwaltet werden sollten (und mußten). Dazu kamen natürlich die Händler- Vorbestellungen bei den Schallplatten-Firmen, die von jeder eingehenden Bestellung nur Bruchteile ausliefern "konnten". Die Nachfrage nach James Last CDs sowie jede Art von klassischer Musik war gigantisch. Und Eva hatte die Bedienung dieses neuen CANAON CX1 Computers - mit unserer Software - sehr schnell im Griff.

Die Verbindung Wagner - Redlich klappte sehr gut, weil wir auch Samstags und Sonntags sofort zur Stelle waren, wenn etwas nicht klappte. Das war damals schon "unnormal".
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Die Geschäftsentwicklung bei Foto-Besier war enorm

Der gelungene Versuch, direkt neben der CD-Abteilung die gesamte SONY Edel-Hifi Produktlinie mitsamt der neuen CD-Spieler mit ins Sortiment zu nehmen und über ein Drittel des gessamten Verkaufsraumes damit zu füllen, erwies sich anfänglich als geglückt. Nach wenigen Jahren, ich hatte gerade meinen SONY CDP 557 (in 1987) und meinen DAT Recorder DTC 55 ES (in 1989) dort gekauft, kamen alle großen Japaner ins Schwimmen.

In 1990 stand Japan kurz vor dem Staatsbankrott und so wurden enorme Megen an Hifi-Geräten nach Europa geschoben bzw. vertickt - und hier bei uns wurden die Preise von viel zu vielen kurzsichtigen Schrottlern kaputt gemacht. Zur gleichen Zeit kullerten auch die Preise bei den analogen Kameras aller Klassen und die der neuen digitalen Kameras. Der Markt spielte verrückt.

Dann folgte 1989 die "Schreckensmeldung" von Herrn und Frau Wagner - wir gehen (wir kündigen) - zuerst ohne weiteren Kommentar. Einige Tage oder 2 Wochen später "durften" wir es erfahren. Die Wagners machten in einer A-Lage direkt neben dem großen Karstadt Haus in der Schulgasse 5 einen eigenen Fotoladen auf, mit dem einprägsamen Namen  "KAMERA". Irgend etwas bei Foto Besier hatte geknirscht bzw. nicht mehr funktioniert.

Später hatte mir Herr Wager erzählt, daß er auf Sicht (also absehbar) mit diesem einen "kleinen" Laden (Foto Besier) nicht mehr lange mithalten könne. Man müsse beim Einkauf wesentlich besser aufgestellt sein - über deutlich höhere Stückzahlen. Doch zum Haus Besier gehörte auch das Entwicklungs-Labor für Foto-Abzüge mit Namen "Color Werbe" in Erbenheim, eine konkurrenzlose Fabrik für Farbfotos und das für alle Fotoläden im Umkreis. Der Stadtladen spielte beim Senior-Chef Besier offenbar eine untergeordnete Rolle.
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Die Eröffnung von "KAMERA" war ein Event, ein Knaller

Olaf Wagner hatte ein Händchen fürs Markting und er hatte alles sehr gut vorbereitet. Der damals erste Teil des Ladengeschäfts in der Schulgasse 5 war mit Vitrinen und Waren und sogar mit gebrauchten Kameras voll gestopft bis unter die Decke. Das Konzept war unglaublich wirkungsvoll. Der begeisterte Hobbyfotograf und auch der semiprofessionelle und der professionelle Fotograf fanden hier alles. Nicht vergessen dürfen wir die Nummer 3 im Geschäft Edmond Liewig, der schon ewig bei Herrn Wagner (bei Besier) war. Er kam mit zu KAMERA und so waren es schon drei, die mt unglaublicher fachlicher Kompetenz glänzten.
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Anfänglich klein und fein, wurde Zug um Zug expandiert.

Von Anfang an war eine solide Expansion vorgeplant. Schon nach kurzer Zeit wurde in der Schulgasse der Nachbarladen hinzugemietet und oben drüber das Foto-Studio mit einer gelernten Fotografin eröffnet. Das Ehepaar Wagner war immer und überall im Laden verfügbar bzw. unterwegs. Auf den langjährigen Fotofachmann Liewig konnte sich Herr Wagner ebenfalls blindlings verlassen und das Team funktionierte brilliant. Und Frau Wagner an der Kasse war über mindestens 3 Dekaden der Grarant für Verlässlichkeit und Qualität.
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Die nächste Expansion um die Ecke in die Neugasse 22

Die nächste große Veränderung kam wenige Jahre später. Herr Wagner ließ in einem großen Mietshaus um die Ecke in der Neugasse 22 gegenüber dem stadtbekannten Weinand-Haus das gesamte ebenerdige Straßengeschoß entkernen und umbauen. Ein riesiger Innenhof wurde bereinigt, entkernt und zu einem erstaunlich großen und innen taghellen Ladengeschäft umgebaut.
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Der Eingang war - im Verhältnis zum Geschäftslokal - beinahe schon unscheinbar klein. Umsomehr verblüffte die sich eröffnende neue Innenhof-"Halle". Auch hier waren wir von Anfang an dabei, ein wenig Internet-Werbung vorzubereiten. Und am Eingang an der Rezeption wurde jeder Gast oder Besucher von Frau Wagner begrüßt, beinahe Tag und Nacht.
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Und es ging anfänglich aufwärts - mit den Digitalkameras

Von Anfang an plante Herr Wagner und sein neues Geschäftleitungstem neu kleine Filialen rund um Wiesbaden und Frankfurt bis nach Darmstadt. Somit konnte er beim Einkauf der neuen Digital-Technik mit den großen überregionalen Wettbewerbern und Ketten wie dem Promarkt (auch bereits seit langem Konkurs) und anderen mithalten.

Doch immer mehr Scharlatane oder in Not geratene Foto-Läden versauten die Preise, sodaß bei einer Digitalkamera zeitweise bis zu 10 DM zum niedrigsten Einkaufspreis "draufgelegt" werden mußten. Als das auch mit dem Ertrag beim Zubehör nicht mehr ausgeglichen werden konnte, wurde über dem Ladengeschäft in einer frei werdenden Wohnung der Online-Shop aufgebaut.
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Doch die Preise sanken immer weiter ins Bodenlose.

Die Expansion mit den kleineren Filialen im Rhein Main Gebiet vom Rheingau bis nach Frankfurt und Darmstadt erfolgte schon in schwerer See. Mit insgeamt 10 Filialen kam das notwendige Personal viel stärker in den Blickpunkt. Entweder waren es Schwätzer, die zwar leidlich verkaufen konnten oder es waren fachlich gute Spezialisten, die zwar beraten aber nicht verkaufen konnten.

Mit den jetzt eingekauften Stückzahlen von den jeweils aktuellen Rennern im Foto-Bereich (früher waren 10 Kameras pro Modell - jetzt waren es über 1000 Stück) kam der Verkaufsdruck, denn die japanischen Foto-Giganten (und nicht nur die) standen unter einem enormen Verkaufsdruck.

Eine Kamera, die neu raus kam, mußte innerhalb von 3 Monaten abverkauft sein, unbedingt. In den Foto-Magazinen (die auchunter Druck standen) wurde bereits das nächste Modell angekündigt und dann waren es ganz schnell Ladenhüter mit noch mehr Verlust. Beim Personal konnte keinerlei Redundanz mehr finanziert werden. Fiel der Verkäufer in Frankfurt aus, war der Laden zu, dann mußte einer aus Wiesbaden einspringen . und zwar schnell. Problem : Wo sollte er sein Auto parken.

Nach ein oder zwei Jahren wurde Bilanz gezogen und es blieben nur rote Zahlen übrig. Der Onlineshop hatte sich auch nicht erwartungsgemäß entwickelt bzw. getragen - trotz kräftigster Unterstützung aus dem Ladengeschäft und dem gemeinschaftlichen Lager- der Mark war völlig aus den Fugen geraten - und so wurde der Shop wieder aufgelöst - mit einem hohen Verlust.
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Jahrelange 6-Tage Woche mit 14 Stunden - es reicht

Im Jahr 2001 informierte mich Herr Wagner, daß er das gesamte Geschäft mitsamt dem Namen "KAMERA" "abgibt".


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