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Ich bin ein Grufti, aber das Hirn geht noch eingermaßen ....

...und so erinnere ich mich sehr gut an die euphorischen Presseberichte von und über Wiesbaden von vor 50 Jahren und vor allem - ich errinnere mich sehr genau. Da wurde nämlich das inzwischen abgerissene R+V Hochaus mitten in Wiesbaden am Kurhaus gebaut - dafür wurde ein vielleicht aufhebenswertes Baudenkmal - das Capitol, das kleine Theater und Kino abgerissen - und "alle" Politiker und alle Honoratioren der Stadt (waren es wirklich alle ?) waren stolz darauf, was sie da "an Land gezogen" hatten. Nahezu gleichzeitig wurde die Schwal- bacher Staße mit einer hypermodernen autobahnähnlichen Beton- "Hochbrücke" "überzogen" und so gab es - wegen dieser Stadtautobahn - den Slogan : "Wiesbaden wird jetzt zu einer richtigen Großstadt." Und wie immer wieder - "alle" Politiker suhlten sich in der Sonne der Erfolges.
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Es stellte sich heraus, alles großer Unsinn bzw. Fehlplanungen

Zumindest der Abbruch war ein Meisterwerk
nach 50 Jahren ist alles vorbei

Die Mitarbeiter dieser neuen R+V Zentrale kamen so nach und nach alle mit dem Auto aus dem Umland (der Wiesbadener Hauptbahnhof ist -war- viel zu weit weg) und es war werktags immer ein morgendliches Chaos, dort in der Mitte der Stadt. Die einsame Hochbrücke war nun wirklich keine Stadtautobahn, es war alles eine gigantische Fehlplanung und am Ende wude der ganze Unsinn wieder abgerissen. Inzwischen ist jetzt alles wieder weg. Übrigens R+V sitzt logistisch gut angebunden an unserem Autobahnzubringer zur A66 und diese Lage hat sich als genial blendend erwiesen bzw. schon lange ausgezahlt.
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Eigentlich hätten die Wiesbadener Stadtväter, wären sie nicht schon viel zu alt geworden - mit nur ein klein wenig Nachdenken - mal zurückschaun können, was so alles in den letzten 50 Jahren schief gelaufen war und warum. Aber natürlich hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus ...........

Der aktuelle Flop in 220 Millionen Größenordnung ist das neue Rhein-Main-Hallen Kongress-Center - auch wieder mitten in der Stadt. Auch wenn es im Keller 500 Parkplätze geben wird, die Autos müssen ja alle da hin(ein) kommen. Und das wird (denen) stinken ohne Ende, speziell bei einem Dieselfahrverbot in der Innenstadt. Wiesbaden liegt ja in einem Kessel, sehr ähnlich zu Stuttgart. Also auch da ist der grosse unumgängliche Ärger - auch schon (wieder) - vorprogrammiert.
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Kommen wir direkt auf die alte/neue Idee - eine Stadtbahn

Mit immer weiter zunehmendem Individual-Verkehr auf der Straße und mit Blick auf Mainz (gegenüber) kamen die Stadtväter dann doch auf die Idee, eine Stadtbahn könne die Lösung werden.

Und eigentlich sind die Voraussetzungen ja da, denn wir hatten ja mal die Taunus-Eisenbahn, die vom Wiesbadener Hauptbahnhof über die Bahnhöfe Biebrich-Waldstrasse, Dotzheim, Bahnhof Chaussehaus und Bahnhof Eiserne Hand den Weg in den Taunus zeigten. Diese Bundesbahnschienen waren sogar an Bad Schwalbach vorbei bis nach Bad Ems verlegt. Inzwischen ist diese Strecke ganz gezielt verrottet und vergammelt worden lassen. Eine Teilschuld trifft beide Beteiligten, die damalige Bundesbahn, aber auch das Land Hessen und auch die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Fangen wir mal an, den Stand "Heute" in 2018 zu recherchieren :

Eine realitätsnahe Zielgruppen-Analyse 2018 :
Was brennt uns Wiesbadenern an meisten unter den Nägeln ?

Das sind die wohlhabenden (deutschen!) "Neumitbürger" (= Häuslebauer oder auch Hinterwäldler genannt) über oder hinter dem Taunuskamm, die fast alle mit ihren (also mit jeder Menge) Autos (viel zu oft 200 PS Diesel-SUV's) durch Wiesbaden hindurch brettern oder sogar mitten hinein müssen.

und das sind die 4 wichtigen viel befahrenen Zufahrts-Straßen

  • nach Schlangenbad (1) und die
  • über die Hohe Wurzel (2) (beide am Chaussehaus vorbei),
  • die "Eiserne Hand" (3) und
  • die "Platte" (4).


Über diese 4 "Paß"-Straßen" kommen sie jeden Morgen und fahren jeden Abend wieder Nachhause - in Mengen. Alleine, diese Masse an Autos intelligent und dennoch komfortabel zu minimieren, wäre die Taunus-Eisenbahn schon wert - aber schon gar keine Wiesbadener Innenstadtbahn (eine Rentner-Bahn von der Fachhochschule zum Biebricher Rheinufer.
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Jetzt die Frage Normalspur oder Schmalspur ?

Um aber "Park and Ride"- Plätze richtig attraktiv zu machen, müsste zum Beispiel am Chaussehaus (alle aus Georgenborn) und auf der Eisernen Hand (oder direkt unten in Taunsstein) kräftig umgedacht werden. Die Menschen von 2018 wollen es bequem haben. Der Erfolg setzt also etwas voraus, das man nicht mit Gewalt (auch nicht mit brutaler Gesetzesgewalt) erzwingen kann.
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Ein beachtenswertes und beeindruckends Beispiel : der ICE

Die ICE Bahnhöfe Limburg und Montabaur. Für mich war es (damals) eine Frechheit der Mainzer RLP- Landesregierung, die Bundesbahn zu zwingen, dieses blöde einsame Kaff dort oben im Westerwald mit einem teuren ICE-Bahnhof "zu beglücken". Es war - wie bei mir oft refrenziert - "spannend". Und keiner hat es geglaubt (ich übrigens auch nicht), der Montabaurer ICE-Bahnhof ist der absolute Renner in der ganzen Region dort oben. Dort steigen fast mehr Passagiere ein als in Köln, Limburg und Wiesbaden zusammen. Übrigens ist der (hessische) ICE-Bahnhof Limburg fast zum Flop geworden - wobei unsere von exOB Exner erzwungene unsinnige Wiesbadener ICE-Anbindung (an einem zeitraubenden varalteten Kopfbahnhof) bewiesener Maßen wirklich ein Flop geworden ist.

Man kann also von solchen "vergeigten" oder erfolgreichen Projekten lernen, braucht aber ein gewisses Maß an visionärem Denken. Damit wäre eine reine (Innenstadt-) Bahn mit schmaler Straßenbahn-Spur wie in Mainz schon vom Tisch. - Regional muß da gedacht werden, unbedingt. Die Anbindung des Wiesbadener Hauptbahnhofs an den Mainzer Hauptbahnhof über die Theodor-Heuss Brücke erachte ich ebenfalls als ganz großen Unsinn. Es gibt da bereits genügend Eisenbahnbrücken.
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Wenn also wirklich eine (Schmalspur) Stadtbahn alleine für Wiesbaden Sinn machen würde
, dann von Dotzheim quer durch die Stadt-Mitte nach Bierstadt/Igstadt und von Biebrich/Schierstein ebenfalls quer durch die Stadt-Mitte nach Sonnenberg/Rambach.

Doch das bringt meines Erachtens nur recht wenig "weniger Auto-Verkehr" oder einfach "viel-zu-wenig" an meßbarem Nutzen - auch da haben die Gegner der Stadtbahn Recht. Aber das sind ganz wenige zutreffende Kritiken. Der gesamte bislang undurchdachte Rest der Gegen-Argumente (mit Verlusten an Bäumen und Parkplätzen und zusätzlichen Schienen-Geräuschen) der Gegener der Stadt-Bahn ist leider bislang hahnebüchner Unsinn.
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Stellen Sie sich vor : eine Bahn von Bad Ems bis Mainz HBF

Betrachten wir also nochmal "die Zielgruppe der Pendler" im gesamten Obertaunus, dann wäre es opportun, mal nach Beispielen gelungener Konzepte zu recherchieren und die gibt es mehrfach.

Also NICHT die Fachhochschule per Straßenbahn mit der Theodor Heus Brücke zu verbinden
, ich betrachte dieses Konzept als absoluten Schwachsinn, das ist selbst als Einsteiger-Idee unbrauchbar. Da bin ich mit den Gegnern der Stadtbahn einer Meinung. Die Studenten fahren da nicht mit. Ein regionales Konzept muß her.
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Beispiel 1 :

Die Küsten-Tram in Belgien, ein Erfogsmodell

Meine bessere Hälfte und ich waren eine Woche in Belgien am Meer (in DeHaan) und suchten Ruhe. Schon auf der Zufahrt zur Ferienwohnung fiel uns auf: Achtung Kust-Tram kreuzt.

Eine Küsten-Trambahn, was ist denn das ? Ein weiteres Schild fand noch mehr Aufmerksamkeit. Die Trambahn hat Vorfahrt, immer, vor den Fußgängern, den Radfahrern, den Autos, LKWs und Bussen, immer. Das war verblüffend für ein Land der Fahrradfahrer. Und dann kam ich dahinter :
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fährt durch die engsten und schmalsten Käffer

Die TRAM, also die "Lijn Straßenbahn" fährt wirklich die gesamte belgische Nordseeküste rauf und runter (oder hin und her). Das sind über 65 (lange) Kilometer. Und man kann dort mit einem 2.- (per SMS) bzw. 3.- (am Schalter) Euro Ticket bis zu 60 Minuten sogar auch noch mit allen Lijn Bussen und Bahnen - sogar bis nach Brügge fahren. Umsteigen darf man noch in bzw. bis zu der 59. Minute und dann halt bis zur Endstation dieser Linie mitfahren.

Für 4.- Euro (Herbst-Aktion) kann man pro Person den ganzen Tag dort herumfahren, auch wieder bis Brügge. Lustig sind für unsere Ohren die Bezeichnungen wie zum Beispiel der Lijn-"Winkel", das sind nämlich keine Pinkel-Winkel- Ecken - sondern die Fahrkarten-Kioske, die in den täglichen Kernzeiten - und das bis 18.oo Uhr - auch personell besetzt sind, ein Europa-Vorbild für Kundenfreundlichkeit.
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Sie fährt durch die kleinsten Küsten-Orte und Dünen-Käffer

Wir sind also für 4 Euro mitgefahren, bis fast nach Frankreich und bis fast nach Holland. Diese Tram fährt im 1/4 Stunden-Takt den ganzen Tag und sie fährt durch die kleinsten Dünenkäffer, auf Straßen gerade mal so breit wie 2 Trams nebeneinander. Jeweils am Ende sind Wendeschleifen. Die Autos und die Busse fahren auf den Betonplatten einfach hinterher (oder vorneweg) und ....

es funktioniert !!

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Ein zweites Beispiel für eine regionale Taunus-Bahn :
"Das Karlsruher Modell"

Die Karlsruher Stadtbahn, ein Erfolgsmodell
fährt bis ganz tief in die "Pampa", in den Schwarzwald

Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal (wieder) einen Freund in einem scheinbar verlassenen Kaff im nördlichen Schwarzwald (Bad Wildbad / Calmbach) besucht hatte, fiel mir die helle freundliche und moderne Stadtbahn ähnlich der Ländchesbahn (Erbenheim- Igstadt) auf, die dort in erstaunlich kurzen Intervallen fuhr.

Mein fragender Blick sagte : "Hier wohnt doch fast niemand." -

Doch, hier wohnen jede Menge Einwohner in den vielen kleinen Tälern rings herum und wir haben jede Menge Touristen und alle fahren begeistert mit dieser Karlsruher Straßenbahn und sogar mit 2 und 3 verschiedenen Versorgungs-Spannungen. Ganz sicher war das die Herausfoorderung - und es funktioniert.

Und - das ist ziemlich extrem, es geht in 1 1/2 Stunden von Bad Wildbad über Pforzheim und Durlach bis zum Karlsruher Hauptbahnhof (Schaun sie mal rein in "Das Karlsruher Modell"). UND !!! - diese Überland-Straßenbahn macht Gewinne - also kein Zuschußbetrieb !!!!!!!!.
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Es gibt in Norddeutschland noch mehr regionale Beispiele

Wenn man also gewillt ist, von anderen zu lernen, kann man sich im Internet heutzutage durchaus kundig machen und nicht mit scheinheiligen oder gar dümmliche Argumenten (in Leserbriefen) auftreten. Und daß man es nicht allen Recht machen kann, das wissen die Entscheider schon lange.

Eingefahrene Meinungen sind immer abträglich, zumal ein gewisses Risko (des Erfolges) so oder so nie ausgeschlossen werden kann (siehe Montabaur und Limburg).

Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, daß es in 10 Jahren einen Computer gesteuerten doppelspurigen Tunnel (eine Spur rein und eine Spur raus) ab der breiten Mainzer Straße bzw. ab dem Hauptbahnhof bis zur Tiefgarage Rhein-Main-Halle gibt. Das würde den (ganz bestimmt weiter zunehmenden) Verkehr in Veranstaltungs- bzw. Messe-Stoßzeiten erheblich entlasten.
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