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Das Pastori - ein Blick über den Gartenzaun nach Weilmünster

Am 24.3.2021 war ich in das "Historische Lichtspielgasthaus PASTORI" eingeladen worden - zum Zeitzeugen-Gespräch für unser Fernsehmuseum. Eigentlich ging es um das Thema "Malen von großen 2 Meter Filmplakaten ab 1947" und dazu ein Interview mit dem Maler Rudi Czech, der jetzt 94 Jahre alt ist. Mit dabei waren Frau und Herr Schäfer (sen. - inzwischen 85), die jetzigen Betreiber des gesamten Objektes, in dem alles angefangen hatte. Eigentlich ist der Sohn Jörg mit von der Partie, aber so waren wir erstmal nur zu viert.
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Selbstverständlich bekam ich auch das in 2012 völlig neu umgebaute nostalgische Kino gezeigt, Vater Schäfers ganzer Stolz. Er verheimlicht auch gar nicht, daß es ein Traum aus der Kindheit war, dieses Kíno zu erhalten und daß es jetzt (s)ein Hobby ist, natürlich mit seinem Sohn und bestimmt auch später mit dem Enkelsohn. Ich habe (als Gast des Hauses) verständlicher Weise nicht gefragt, was ihm sein Hobby wert ist, jeden Monat, unabhängig von der aktuellen Pandemie.

Und ich habe mir das Umfeld angesehen und viele Fotos gemacht. Und dabei kam - sowohl aus den Gesprächen wie auch aus meinem Eindrücken
folgendes heraus :

Das Wiesbadener "Walhalla" ist ein "tot geborenes Kind".

Denn .........

Dieses Kino auf dem Land hieß ursprünglich - seit 1919 - "Saalbau Lichtspiele" und wurde nach dem Totalumbau (2011-2012) in "PASTORI" umbenannt. (kommt von Schäfer = Pastor).

Direkt neben dem Kino wurde ein kleines aber feines Restaurant gebaut und auch da wieder direkt neben dran ein kleines aber feines Hotel.

Alleine diese Gedanken sind bemerkenswert, weil in Wiesbaden immer wieder das Wort (das Verb) "muß" fällt. -- dann müssen sie eben ---- ......

In der heutigen Zeit "müssen" Sie alle auf das Wort "muß" verzichten, in der "Generation Wohlstand" muß nämlich keiner !! mehr. Und wollen Sie einen bundesweit bekannten Entertainer, Kabrettisten oder eine Jazz-Band oder eine Swing-Combo von Rang in ihr Eventhaus einladen, heißt es nach wie vor "Locken und Ködern".

Wenn die "Jungs" (oder auch Mädchen) nach dem abendlichen Auftritt und (wenn sie wirklich gut waren) nach mehreren Zugaben müde und hungrig sind, ist natürlich ein leicht verdauliches Nachtessen im eigenen Restaurant Gold wert und wenn dann noch eine gepflegte Übernachtung als Zugabe des Hauses angeboten werden kann, dann haben Sie als Veranstalter alle Trümpfe in der Hand, auch die alten und neuen Gäste mit einem vernünftigen Eintrittsgeld anzulocken. So ist der Erfolg fast schon garantiert, außer wenn - wie in 2020 - ein Virus alles stoppt.
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Es gibt hier Ambiente, Nostalgie und Platz und Parkplätze

Die Straßenseite ist verlockend
ein professioneller Beamer
die Rampe zum Bühneneingang
und gegenüber gibt es Parkplätze

Die über Jahrzehnte hinter der alten Kino-Bildwand versteckte Bühne haben die Schäfers wieder nachbauen und vergößern lassen, vor allem - mit einem nahezu ebenerdigen Zugang (Rampe) diekt vom Hof, wenn die Instrumente und das Ton- und Licht-Equipment ausgeladen und aufgebaut werden müssen.

Ein irrsinnig teurer voll professioneller Beamer (schallgeschützt im alten Kino-Vorführraum) ist auch bereits fürs Kino vorhanden.

Also Firmen-Vorträge und Konferenzen im vertrauten kleinen Management-Bereich ganz gezielt außer Haus im fast privaten Umfeld und hochkarätige Promotion- Events und sonstige Kleinkunst-Veranstaltungen haben hier eine nahezu perfekte und technisch sehr gut ausgerüstete Adresse.

Da kann sogar das (dazu viel zu große) Rhein-Main-Theater in Niedernhausen nicht mit, weil dort die gesamte Technik immer wieder - aus guten Gründen - angeschleppt und aufgebaut (und abgebaut) werden muß.
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Und mit all dem hat das alte "Walhalla" ein Problem ......

Für kleine Veranstaltungen ist der Saal zu groß und für große Veranstaltungen fehlt das gesamte technische und Infrastruktur-Umfeld.

Die Zeit des Walhalla ist eigentlich vorbei und keiner der Stadtoberen will es laut sagen.
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Im Prinzip ist es das Gleiche wie mit dem seit Jahren leerstehenden METROPOL Theater am Nollendorfplatz in Berlin Mitte. Es ist nicht mehr vernünftig zu betreiben, kostendeckend schon gar nicht, das notwendige Umfeld funktioniert nicht mehr.

Es st sicher für manche Nostalgiker schmerzhaft, wenn die Erinnerungen von vor über 50 Jahren nicht mehr in die Realität zurück kommen wollen, aber die Zeit geht darüber hinweg.

Vor allem, der Generationenvertrag, der sowieso schon auf sehr wackeligen Füßen steht, eskaliert und es kann zu völlig unvorhergesehenen Reaktionen in der Politik und auf der Straße führen, wenn die "Jungen" die Träume der "Alten" auch noch bezahlen sollen.
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